Die Suche nach dem Gold

Die Suche nach dem Gold

Dienstag, 24. April 2007

Adrenalingeschwängerte Tage wie dieser

Rastlosigkeit ist ein Hauptgewinn. Das weiß jeder, der nach Tagen des Stresses in das "Urlaubsloch" fällt. Eine Horrorvorstellung: Endlich frei haben, endlich Zeit haben für die Dinge, für die man sonst keine Zeit hat. Endlich die Möglichkeit haben, daran zu arbeiten, Träume nicht mehr nur zu träumen, sondern zu leben. Irgendwann. Bald. Endlich Zeit haben für... - ach, ich geh' 'ne Runde fernsehen.

Ja, Rastlosigkeit ist ein Hauptgewinn. Das Adrenalin peitscht einen durch den Tag. Die Erinnerung an all die Dinge, die es zu erledigen gibt, machen einen verrückt. Aber am Abend weiß man wenigstens, was man alles getan hat, um am nächsten Tag nicht völlig unterzugehen. Dem Tag, an dem man irgendwann zwischen den zwei Vorlesungen und dem Pokerabend von Würzburg nach Fürth fahren muss, um drei schwäbische Torhüter zu interviewen, die ihr Glück im Frankenland gefunden haben - oder vielleicht noch suchen? Die Antwort wird mit Sicherheit in dem Artikel stehen, der am Freitag erscheinen soll und damit eventuell den Pokerabend zunichte macht, weil der Donnerstag bereits jetzt völlig überladen ist.

Ja, Rastlosigkeit ist ein Hauptgewinn. Weil sie einen die Müdigkeit vergessen lässt, zumindest für ein paar Momente. Denn die ist da, weil man nach einer kleinen "Nachtschicht" zwar trotzdem noch ausreichend lange geschlafen hat, einem der kranke Schlafrhythmus aber trotzdem mit kindlicher Freude versucht, den Perserteppichboden unter den Füßen wegzuziehen. Was der Schlafrhythmus dabei vergessen hat: auf dem Perserteppichboden kann gar nicht gestanden werden, weil da noch die Sachen stehen, die man am Tag zuvor aus Stuttgart mitgebracht hat. Lehrbücher, Klamotten, Interviewstifte - nur offenbar keine Bettwäsche. Deswegen hat man die Nacht ja auch im Schlafsack verbracht und begibt sich zwischen zwei Seminaren auf die Suche nach neuer, kurz nachdem man einen anderen Artikel für eine andere Zeitung für eine andere Ausgabe - konkret: die morgige - abgeliefert und Mama zehn CDs gebrannt hat, die bis Samstag den Weg nach Stuttgart gefunden haben sollten. Nach dem Einkauf findet man im Kofferraum des Polos
noch einen Wäschekorb, den man aber erst aufräumen kann, nachdem man den Einführungsabend einer studentischen Initiative mitgestaltet und etwas Nahrhaftes in sich hineingestopft hat. Rastlosigkeit macht nicht nur müde, sondern auch hungrig. Und dann ist man bereit dafür, den Perserteppichboden zu befreien, die neue Bettwäsche aufs Bett zu werfen und die alte im Wäschekorb zu finden. Man ist bereit für die kleinen Dinge, die es noch zu erledigen, die es noch vorzubereiten gilt, bevor man den Tag als erfolgreich bestanden abhakt.

Ja, Rastlosigkeit ist ein Hauptgewinn.

1 Kommentar:

Mari hat gesagt…

Na, denn habe ich auch gewonnen.