Die Suche nach dem Gold

Die Suche nach dem Gold

Montag, 23. April 2007

Die Leidenschaft, die Leiden schafft

Schlechte Nachrichten aus Freiburg: Kumpel R. ruft an und berichtet über einen Kommentar seiner Freundin. "Sie dachte eigentlich, du wärst cool", sagt R., "aber dann hat sie erfahren, dass du Fußballfan bist."

Es gibt Dinge, die werden manche Frauen nie verstehen. Die Liebe eines Mannes zu seinem Club gehört dazu. Aber das ist Frauen nicht vorzuwerfen. Denn diese Liebe in ihrer reinen, bedingungslosen Form ist irrational. Und damit nicht mal für den Mann zu verstehen. Für den Besessenen wie Nick Hornby ihn in "Fever Pitch" nennt - dem Buch für den Besessenen, dem es so schmerzhaft treffend gelingt, das Leben eines Fans zu erzählen. Der Fan heißt Nick Hornby. Wer versuchen würde, zu erklären, warum Fußball für so viele eine Leidenschaft ist, die so ungeheuer stark ist, obwohl oder gerade weil sie so viel Leiden schafft, der müsste grandios scheitern, weil es keinem gelingen würde, es besser zu machen als Hornby. Und deswegen will ich einfach nur eine kleine Geschichte erzählen. Die Geschichte von mir und dem Spiel, das Stuttgart verzaubert und München deprimiert hat.

Eigentlich bin ich kein Ultra, kein Edel-Fan, kein kompromissloser Anhänger, der den VfB in sämtliche Stadien der Republik begleitet. Ich bin mehr rational als emotional, kann mit vielen plumpen und proletenhaften Fangesängen nichts anfangen, rege mich regelmäßig über Idioten auf, die sich auf oder neben dem Platz prügeln und dem Sport eine Note verpassen, die so stinkt wie eine Kloake in Rio de Janeiros "City of God". Auch im Gottlieb-Daimler-Stadion war ich in dieser Saison nur viermal. Aber ich leide mit. Seit Jahren. Ich sehe Spiele im Pay-per-View, ich lese täglich in Fan-Foren, ich fiebere den Wochenenden entgegen. Und das Geschenk einiger Kollegen, die Eintrittskarte zum Spiel gegen die Bayern, ausgerechnet zum Spiel gegen die übermächtigen, bundesweit verhassten, arroganten, in dieser Saison zur Schadenfreude der anderen stolpernden Bayern, macht mich zu einem glücklichen Menschen. Die Vorfreude in der Bahn, die amüsierenden Begegnungen mit betrunkenen Fans des Feindes aus dem benachbarten Ausland, deren Sprachgewirr nach Niederlage riecht, die Suche nach dem Sitzplatz mit einer der Fahnen in der Hand, die der Hauptsponsor verteilt hat, dann der Spielbeginn, die Spannung, die zwei schnellen Tore, die Ungläubigkeit, der Rausch, die Stimmung, die Halbzeitpause, das Herzrasen, das Zittern, die Erleichterung, das Feiern, die Freude, der Genuss - unbezahlbar.

Der Fußball ist wie das Lächeln einer bezaubernden Frau. Wer einmal diese Süße erfährt, will immer wieder davon kosten. Sehnsüchte können verdammt stark sein.

Samstag, 21. April 2007

Die Liebe auf dem Sand

Das leise Rascheln der Bäume und das selbstbewusste Lachen der Sonne verschaffen dem Augenblick des Auftritts die Note, die ihm fehlte. Auf der Terrasse der Anlage mitten im Wald sitzt der Clubchef, grüßt mich freundlich und erkundigt sich mit ehrlichem Interesse nach meinem Studium. Und hinter ihm zelebriert der chronisch braungebrannte Platzwart J. sein Ritual: er wässert die Tennisplätze.

Es ist der Tag, an dem meine Sandplatzsaison eröffnet wird. Mit frischen Bällen, wie sich das gehört. Die Dose gibt ein Zischgeräusch von sich, das wie ein Startschuss wirkt. Wie einer, der von keiner Pistole getoppt werden könnte. "Apropos Pistole", sagt mein nicht mehr studierender Tennispartner O., "hast du dir eigentlich schon eine Waffe besorgt?" Brauche ich nicht. Meine Vorhand ist Waffe genug, denke ich mir und schnüffle einmal an den leuchtend gelben Bällen, bevor sie ihren einzigartigen Geruch verlieren. "Was inhalierst du sonst so?", erkundigt sich O. - und schlägt mir den ersten Ball um die Ohren. Es gelingt mir zunächst nicht, etwas zu erwidern. Meiner Waffe fehlt die Präzision, ich habe keine Sicherheit in meinen Schlägen. Von meiner Rückhand will ich gar nicht anfangen. Sie ist ungefähr genauso stabil wie ein Stuhl mit drei kaputten Beinen - auf einem Wackelpudding. Nach knapp siebenmonatiger Pause ist das kein Wunder. Und doch frage ich mich manchmal: Habe ich mein Talent irgendwo verloren oder hatte ich nie eines?

1986 habe ich mit Tennis angefangen. Ich hatte nie den großen Ehrgeiz, Turnierspieler zu werden. Verbissen trainieren, mehrfach die Woche, mehrere Stunden täglich - war nicht mein Ding. Auf Turniere fahren, fast jedes Wochenende, irgendwo aufs Land - ebenfalls nicht. Mir reichten die Duelle gegen M. zu Beginn der 90er auf der heimischen Anlage, als wir uns Namen unserer (wechselnden) Idole gaben. Bis zu fünf Stunden am Stück in fünf heiß umkämpften Sätzen spielten Sergi Bruguera und Charly Steeb häufig. Am Ende versanken sie (wir) ausgelaugt in den Sesseln des Vereinsheims, tranken Spezi und fühlten sich (uns) bedeutungsvoll.

Doch Zeiten der Unbeschwertheit dauern bekanntlich nicht lange. Tennis ist für mich in letzter Zeit mehr Qual als Freude. Und doch kehre ich immer wieder auf den Platz zurück, bleibe sogar stehen, wenn ich mir Blasen an Händen oder Füßen geholt habe. Ein bisschen Hass gehört eben zu jeder Liebe.

Donnerstag, 19. April 2007

Beginn der Reise

Am Anfang stand ein Ende. Das Ende von M. B. Nach nur einem Jahr Schaffenszeit verstarb plangemäß Aames' virtueller Alter Ego. Er hatte seine Schuldigkeit erfüllt. Sein Vermächtnis flattert vergessen und doch sanft durch die Tiefen des Netzes, auffindbar nur für die wenigen, denen sich M. B. anvertraut, denen er Geheimnisse verraten hat. An Reinkarnation hatte M. B. nicht geglaubt. Doch nun ist er wieder da. In neuer Form. Und weiß selbst nicht so genau, warum eigentlich. Die Reise beginnt. Eine Reise ins Ungewisse. In freudiger Erwartung auf weitere "sweet and bitter things". In Erinnerung an das, was Brian Shelby sagte. Während er lächelte. Und dabei noch gar nichts von Sofia wusste.

Welcome to my life! Again.