Die Suche nach dem Gold

Die Suche nach dem Gold

Samstag, 17. Juli 2010

Eine Welt voller Autisten

Rizwan Khan, ein junger indischer Muslim in San Francisco, leidet unter dem Asperger-Syndrom, einer Form des Autismus, die sich vor allem in der Empfindbarkeit von Gefühlen anderen Menschen gegenüber zeigt. Trotzdem verliebt sich Khan sofort, als er Mandira kennen lernt. Das Glück scheint vollkommen, als die beiden heiraten und ein Geschäft eröffnen. Doch dann kommt der 11. September 2001 - und ändert alles. (Quelle: Moviemaze)



Großes Potenzial, grandios verschenkt - oder müsste man verscherbelt sagen? Verkauft zugunsten von Effekthascherei a la Hollywood? Schwerfällige Musik, deren unterschwelliger Patriotismus nicht dadurch besser wird, dass sie nach Indien und Bollywood klingt. Ständige Schwarzblenden. Eine Überdosis an schwulstiger Dramatik. Und fertig ist der Kassenschlager. Schade nur, dass die ansonsten viel versprechende Story dadurch schwer ins Hintertreffen gerät.

"Es gibt nur zwei Arten von Menschen: Gute., die gutes tun und Böse, die böses tun" - mit diesem Satz erklärt die Mutter von Rizwan Khan ihrem allein äußerlich erwachsenen Sohn die Welt. Rizwan kann das nicht nachvollziehen. Er leidet unter dem Asperger Syndrom, das es ihm erschwert, ja fast unmöglich macht, Empathie zu zeigen, Gefühle zu spüren. Rizwan wirkt schon in der Zeit vor dem Epochenwechsel des 11. September 2001 wie ein Fremdling. Filmische Mitmenschen wie Kinobeobachter lachen über ihn, dabei ist er eine tragische Figur, für die nur derjenige Verständnis und Fürsorge aufbringen kann, der vor Kraft und Energie nur so strotzt. Die Welt aber, schon vor den Terroranschlägen von New York kompliziert genug, wird durch sie noch unberechenbarer. Der außer Kontrolle geratene Krieg der Religionen in den Köpfen der Menschen scheint die Weltenbürger mit einem Handschlag ebenfalls zu Autisten zu machen - unfähig zum halbwegs harmonischen Miteinander. Die westliche Zivilisation, allen voran die vor Wut torkelnde letzte verbliebene Weltmacht, erstickt in Paranoia. Nachbarn werden zu potenziellen Selbstmordattentätern. Wie soll ein Autist in einer autistischen Welt klarkommen?


Regisseur Karan Johar hätte mit etwas mehr Nüchternheit, mit etwas mehr Zurückhaltung bei den Effekten, einen richtig starken Film drehen können. Er entschied sich für die Melodramatik. Warum? Weil die Menschen in einer Welt voller Probleme keine Probleme sehen wollen, wenn sie ins Kino gehen? Aber trägt ein Kunstschaffender nicht auch Verantwortung für das, was er tut? Muss es nicht auch im Interesse Johars sein, den Spiegel zu nehmen, den er in die Hand gelegt bekommen hat und ihn vor die Gesichter seiner Zuseher zu halten? Ein bisschen weniger wäre im Falle von My Name is Khan so viel mehr gewesen.


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