Die Suche nach dem Gold

Die Suche nach dem Gold

Mittwoch, 20. August 2008

Olympia für zwischendurch

Ich möchte mich nicht über Sprinter auslassen, die einen 100-Meter-Lauf nach 70 Metern abbrechen können - und trotzdem noch zum Weltrekord zu spazieren. Oder über unkaputtbare Schwimmstars aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Oder über ZDF-Götter, die wegen eines Fußball-Freundschaftsspiels mal kurz von Peking nach Nürnberg und zurück jetten. Olympia ist für mich etwas anderes. Olympia ist für mich Günther Schroth und Matthias Steiner. Und jetzt einmal den Live-Kommentar anhören und Gänsehaut spüren, bitte.


Donnerstag, 14. August 2008

Italien für Anfänger, Teil II: Auf in den Süden

Meine Schwester ist eine kleine Diktatorin. Das durfte ich schon früh erfahren. Es ist wohl 20 Jahre her, da fesselte sie mich ans Treppengeländer unseres Elternhauses. Sie benutzte die Strumpfhose, die man mich zwang anzuziehen. Und ich hatte sie in dem Moment an. Ich werde das nie vergessen. Vor allem deswegen, weil K. ihr Opfer fotografierte. Gerächt habe ich mich später, indem ich meinen Tennisschläger und ihren Arm miteinander verkuppelte. Da D. und ich unsere Tennisschläger an jenem frühen Samstagmorgen nicht griffbereit hatten, verzichteten wir auf eine Re-Union und leisteten dem Befehl meiner Schwester, gefälligst zu frühstücken, stillschweigend Folge.

Kurze Zeit später befanden wir uns auf einer Schweizer Autobahn – diskutierend und gestikulierend. Denn wenn die Schweizer eines garantiert nicht erfunden haben, dann ist es eine narrensichere Ausschilderung. An der Abfahrt Richtung Gotthard fuhren wir vorbei. „Da kommt bestimmt noch eine“, sagten wir uns und nickten fünf Minuten lang. „Da kommt wohl keine mehr“, bedauerten wir während der nächsten fünf Minuten. „Egal. Über den San Bernadino ist es eh kürzer“, beschloss Fahrer D., als eine Rückkehr zur ursprünglichen Ausfahrt nicht mehr sinnvoll war. Ich schwieg. Es kostete zu viele kognitive Kapazität, um mir in Erinnerung zu rufen, wie mein Polo auf der Rückfahrt von einem EM-Trip bei Innsbruck auf einem kurzen Steilstück fast gestorben wäre. Wie sollte mein altersschwacher Krieger da einen Pass von der Höhe des San Bernadino bezwingen? Dass D.’s Mama auf Nachfrage meinte, über die Frage Pass oder Tunnel entscheide das Auto (ohne dass wir ihr meine Bedenken mitteilten), beruhigte mich nicht ungemein. Doch der Polo strafte mich Lügen – und der Verkehrsfunk sorgte für weiteres Amüsement. „Vor dem Gotthard in Richtung Süden drei Stunden Wartezeit“, teilte uns eine italienische Stimme mit. Von einem Stau würden wir uns nicht aufhalten lassen.

Das Motto behielten wir an der Grenze bei, als wir stehende Fahrzeuge auf der Spur ganz rechts links liegen ließen. Über uns zeigten Schilder unentzifferbare Symbole mit komischen großen Autos an, die wir nicht verstanden. Anschließend lief es blendend. Im Autogrill bei Milano gab es Pizza, in Rimini noch mal. Eigentlich wollten D. und ich dort über Nacht bleiben, verzichteten aber. Die Hotels waren zu teuer oder zu ausgebucht, die Menschen zu alt und zu fremdsprachlich und mein Fuß zu kaputt (ohne oder). D. machte sich über die Blase lustig, die – obwohl unsichtbar – äußerst schmerzhaft war und die ich mir nach geschätzten vier Schritten im Strandsand zugezogen hatte. Der eigentliche Grund für unsere Rimini-Flucht war freilich völlig simpel. Wir waren alte, müde Männer, die in der Nacht zuvor in Zürich zu viel gefeiert hatten. Wir wollten in ein Bett – jeder in ein anderes, um das klarzustellen. In ein Bett in dem Häuschen in dem Dörfchen, in dem D.’s Eltern seit zehn Jahren immer wieder Urlaub machen, weil es ihnen praktischerweise gehört (das Bett und das Häuschen, nicht das Dorf).

Vorher, und das wollten sich D. und ich dann trotz dunkelster Dunkelheit nicht nehmen lassen, badeten wir im Meer. Am freien Strand von Ortona liebten sich zwei Körper – oder sie taten so, um uns in Sicherheit zu wiegen und anschließend unsere T-Shirts und andere Wertsachen zu stehlen. Ich ließ die beiden auch im Wasser nicht aus den Augen, sah von dort aber dummerweise weder das Paar noch unsere Sachen. Doch wir verließen das aufgewärmte Wasser sowieso recht schnell wieder. D. verspürte ein Kribbeln am Fuß. Ich eines am Arm. Und wir hatten uns zuvor noch über Quallen und weitere traumatische Erlebnisse unterhalten, die noch traumatischer waren als Begegnungen mit isländischen Kleiderschrankpfadfinderinnen. Es stellte sich heraus, dass wir auch 30 Minuten nach dem Kontakt mit dem Kribbelverursacher noch lebten.

Da ich lag ich bereits im Bett. „Ach ja, hab’ ich vergessen zu erwähnen“, hatte mir D. irgendwann noch gebeichtet. „Es könnte sein, dass wir im Haus kleinere Echsen oder Skorpione haben.“ Das sei aber nicht weiter schlimm. Der Biss eines Skorpions sei vergleichbar mit einem Bienenstich. Habe ich eigentlich schon mal dieses traumatische Erlebnis in meiner Kindheit. . . Völlig egal. Noch vor Mitternacht schlief ich wie ein unschuldiges Baby.

(Fortsetzung folgt)

Montag, 11. August 2008

Italien für Anfänger, Teil I: Der erste Abend

Wenn ich mal eine Reise tu’, dann kann ich was erzählen. 2005 auf „Malle“ wollten R. und ich den Ballermann eigentlich meiden. Als wir doch mal vor Ort waren und am Strand herumlungerten, musste ich mitten in der Nacht Mitch Buchannon spielen. Einer angetrunkenen blutjungen Isländerin hatte ihr Outfit nicht mehr gefallen. Ihr Plan: kurz mal nach Hause zum Kleiderschrank schwimmen. Und mit nach Hause war nicht etwa das Hotelzimmer gemeint. 50 Meter weit war sie bereits ins Meer gewatschelt. Dort konnte ich sie davon überzeugen, dass ihr Outfit wundervoll war. Der wasserscheue R. vertrieb sich derweil die Zeit damit, Fotos vom gewagten Ausschnitt der anderen angetrunkenen blutjungen Isländerin zu machen. Nach unserer (meiner) selbstlosen Rettungsaktion waren die Mädels recht schnell verschollen. Meine Erinnerung ist verschwommen, aber ich glaube sie verschwanden im Schlepptau von fünf Holländern.

Seitdem habe ich keinen Urlaub mehr gemacht. Nicht etwa, weil mich „Malle“ und die Islandnixen traumatisiert hätten. Es hat sich einfach nie ergeben. Bis zu diesem Sommer. „Hast du Lust nach Italien mitzugehen?“, hat mich D. irgendwann einmal in einer seiner Kurznachrichten gefragt, in denen er immer meinen Namen verunstaltet. Ich war sofort begeistert gewesen. Und so machten D. und ich uns an einem späten Freitagnachmittag im Juli mit meinem treuen Polo auf den Weg gen Süden.

D., Halbitaliener mit sicherem Händchen (oder Füßchen?) für Fettnäppchen, stellte sein wenig beneidenswertes Talent schon am ersten Abend dreimal unter Beweis. Da war die Autofahrerin, die mir – keine drei Kilometer außerhalb der Stadt – die Vorfahrt nahm und dann gemächlich vor mir hergondelte. Meine Erfahrungen mit Italienern beim Autofahren beschränkten sich bis dato auf eine Studienfahrt nach Rom vor bald zehn Jahren und einige Kurztrips mit D. Diese Erfahrungen hatten mir alles verraten, worauf ich mich einzustellen hatte. Vom Beifahrersitz aus ergoss sich ein Schwall von Beschimpfungen auf die Vorfahrtsdiebin. Eines der Schimpfworte gefiel mir besonders gut: es war ein Name. „Eine K. bist du, eine blöde K.“, brüllte D., bis ich ihn fragte, woher er den Namen meiner Schwester kannte. Jene Schwester übrigens, die wir bei unserer Zwischenstation in Zürich zu besuchen gedachten. Für einen kurzen Moment schien D. konsterniert. Das will was heißen. Dann fing er an zu lachen. Schallend.

Wir lernten an diesem Abend drei Freunde meiner Schwester kennen. Oder besser: drei Freunde vom neuen Freund meiner Schwester. Bei einem stellte D. erstaunliche Gemeinsamkeiten fest. Gleiches Studium, gleicher Studienort – nur dass sein Gegenüber schon vor zehn Jahren sein Examen geschrieben hatte. „Wie gefällt’s dir dort?“, fragte der blasse Blonde, ein ansonsten zurückhaltend-stiller Anzugträger, glücklich einen Gleichgesinnten gefunden zu haben. Dass ein einziger Mann sich so schwer irren kann. . . Ich war schon froh, dass D. ihn nicht mit der ganzen Wucht der Ehrlichkeit erschlug. Sein Urteil über die Franken fiel trotzdem distanziert aus. „Ich bin Franke“, sagte der andere etwas verwirrt. Ich verabschiedete mich auf die Toilette, um ungestört lachen zu können. Mein Pech: ich verpasste D.’s Meisterstück. Man sprach über Verbindungsstudenten. Die kann D. in etwa so gut leiden kann wie Franken (nur ein bisschen weniger). Das hat er C. auch stolz gebeichtet. Der kluge Kopf ahnt es bereits: Er hätte es besser gelassen.

Meine Schwester hat uns trotzdem bei sich übernachten lassen. Wir schliefen nur ein paar Stunden. Denn wir hatten viel vor. Italien rief.

(Fortsetzung folgt)

Montag, 28. Juli 2008

Dinge, an denen man merkt, dass...

... Geduld eine Tugend ist: Der altersschwache Toaster bugsiert den bereits getoasteten und mit ungeschmolzener kühlschrankgestählter Butter malträtierten Toast beim vorschnellen Versuch, die Butter durch Nachtoasten mit Hilfe der Flügelteile zum Schmelzen zu zwingen in sein Inneres, weil eines der Flügelteile plötzlich seinen Geist aufgibt, verschlingt bei der Gelegenheit die Butter und fängt an zu rauchen. (Das war doch jetzt nicht zu kompliziert, oder??)

Dabei hätte ich auch einfach warten können. Hätte. Hätte sollen. Werde. Beim nächsten Mal. Wenn es ein nächstes Mal gibt. Ende.